SSD mit dem fertigen DCP vor dem Rex Kino in Langenfeld

Vom Theaterstück ins Kino

Wie ich einen Film für die große Leinwand aufbereitet habe

Unsere Kinder spielen Theater bei den „Blinklichtern” in Langenfeld. Eine tolle Truppe, die pro Saison etwa acht Aufführungen auf die Bühne bringt. In der letzten Saison habe ich dort das Filmen der Aufführung übernommen.

Dass der fertige Film anschließend im Rex Kino in Langenfeld auf der großen Leinwand gezeigt wird, gehört bei den Blinklichtern seit Jahren dazu. Neu war diesmal, was davor liegt: Ich habe den Ton selbst aufgenommen und den Film als DCP ausgeliefert, in dem Format also, mit dem ein Kinoserver zuverlässig umgeht.

Was ich dabei gelernt habe, möchte ich hier teilen. Nicht zuletzt, weil die Erfahrung mich auch für zukünftige Kundenprojekte besser vorbereitet hat.

Die Herausforderung: Live ist live

Ein Theaterstück zu filmen ist etwas grundlegend anderes als ein Imagefilm oder ein Interview. Bei einem Imagefilm habe ich die Kontrolle. Ich kann Szenen wiederholen, Licht anpassen, den Ton nochmal aufnehmen. Bei einer Live-Aufführung gibt es genau einen Versuch.

Die Blinklichter sind eine Laientheatergruppe – das macht die Sache nicht einfacher. Die Kinder spielen großartig, aber sie spielen eben nicht Dutzende Male dasselbe Stück wie ein Profi-Ensemble. Ich hatte also keine Möglichkeit, bei einer Aufführung zu proben und bei der nächsten „richtig” zu filmen. Es musste beim ersten Mal sitzen.

Drei Kameras, null Chance auf “nochmal bitte”

Ich habe mit drei Kameras gearbeitet: zwei statische und eine dynamische. Die statischen Kameras haben die Bühne aus zwei Perspektiven abgedeckt – eine Totale und eine halbnahe Einstellung. Die dritte Kamera habe ich selbst bedient, um Nahaufnahmen und Reaktionen einzufangen.

Dieses Setup kenne ich aus meiner Arbeit für Unternehmensfilme. Bei Firmenevents oder Konferenzen habe ich häufig eine ähnliche Situation: viel passiert gleichzeitig, nichts wiederholt sich, und am Schnittplatz will man genug Material haben, um eine Geschichte erzählen zu können.

Der Ton – die eigentliche Hauptrolle

Jetzt wird es technisch, aber genau hier lag der entscheidende Unterschied.

In den vergangenen Jahren wurde der Ton über das Mischpult der Bühne abgegriffen. Das klingt erstmal logisch – das Mischpult hat ja alle Signale. In der Praxis war das Ergebnis aber eher durchwachsen. Bühnen-Mischpulte sind für die Beschallung des Publikums optimiert, nicht für eine saubere Aufnahme. Hall, Rückkopplungen, ungünstige Pegel – das alles fließt mit rein.

Dieses Jahr habe ich den Ton komplett selbst in die Hand genommen: fünf eigene Mikrofone, strategisch verteilt, aufgenommen in 32-Bit Float. Warum 32-Bit Float? Weil es mir die Freiheit gibt, auch im Nachgang noch zu leise oder zu laute Passagen sauber zu pegeln, ohne Qualitätsverlust. Bei einer Live-Aufführung, wo man nicht mal eben “Stopp, nochmal lauter bitte” rufen kann, ist das Gold wert.

Der Unterschied im Endergebnis war enorm. Saubere Dialoge, kein Hall, kein Rauschen – endlich ein Ton, der zum Bild passt.

Vom Schnittplatz ins Kino

Die Aufführung im Rex Kino stand von vornherein fest, sie ist bei den Blinklichtern gute Tradition. Offen war nur, in welchem Format der Film dort ankommt.

In den Jahren zuvor wurde er als MP4-Datei zugespielt. Dafür musste der Kinobetreiber eine Art DVD-Player an den großen Projektor anschließen. Das Bild lief über ein Upscaling, der Ton war so nur schwer sauber in den Griff zu bekommen, und den ganzen Ablauf musste er von Hand steuern.

Ein DCP nimmt ihm genau diese Arbeit ab. Der Film landet in der normalen Playlist des Kinoservers wie jeder andere Film auch, und Licht, Vorhang und Ton lassen sich als Skript hinterlegen, statt dass jemand daneben steht und die Regler bedient. Das Kino hat mich deshalb gebeten, den Film idealerweise als DCP zu liefern.

DCP-Ingest am Kino-Server

DCP steht für Digital Cinema Package, das ist das Format, in dem Kinofilme ausgeliefert werden. Ein eigenes Format mit eigener Ordnerstruktur, eigenem Farbraum (XYZ statt Rec.709), eigener Kompression (JPEG2000) und einem eigenen Audioformat. Klingt kompliziert? Ist es auch. Aber genau solche Herausforderungen mag ich.

Die Erstellung des DCP war Neuland für mich. Farbkonvertierung von Rec.709 nach XYZ, die richtige Bitrate für die JPEG2000-Kompression, das Audio-Mapping auf die Kinokanäle – das waren alles Dinge, die ich mir erarbeiten musste. Aber genau dafür mache ich diesen Job: Neues lernen und am Ende ein Ergebnis abliefern, das professionellen Standards entspricht.

Der Kino-Projektor – hier landet am Ende die SSD

Die SSD mit dem Post-It

Am Ende wird ein DCP übrigens ganz unspektakulär auf einer SSD zum Kino gebracht. Samsung 850 Pro, Post-It drauf mit “Blinklichter 2025 DCP” – fertig. Die Mitarbeiter im Rex haben die Daten über den Ingest-Server eingespielt und dann lief er: unser Film, auf der großen Leinwand, mit Kino-Sound.

Ich gebe zu, das war ein besonderer Moment. Die Projekte, die ich normalerweise für Kunden umsetze, landen auf Websites, in Social-Media-Feeds oder auf internen Veranstaltungen. Den eigenen Film im Kino zu sehen – auf einer echten Leinwand, mit echtem Publikum – das ist nochmal eine andere Nummer.

Was ich daraus mitnehme

Die ganze Expertise, die ich über die Jahre für Unternehmensfilme aufgebaut habe, konnte ich in dieses Projekt einfließen lassen. Multi-Kamera-Setup, professionelle Tonaufnahme, Schnitt und Color Grading – das alles sind Fähigkeiten, die ich täglich für meine Kunden einsetze.

Aber das DCP-Format war neu. Und genau das finde ich gut. Ich weiß jetzt, wie ich einen Film für das Kino aufbereite. Sollte also mal ein Kunde anklopfen und sagen “Wir wollen unseren Imagefilm im Kino zeigen” – kein Problem. Ich weiß jetzt, wie das geht 😉

Die Unberechenbarkeit einer Live-Aufführung verlangt einem ein hohes technisches Know-how ab. Man muss für jede Situation gewappnet sein, schnell reagieren und im Vorfeld so planen, dass möglichst wenig schiefgehen kann. Das ist letztlich dieselbe Herangehensweise, die ich auch bei Firmenevents oder Konferenzen anwende – nur mit dem zusätzlichen Druck, dass es keinen zweiten Take gibt.

Und der Ton? Der wird ab jetzt bei jedem Projekt oberste Priorität haben. Denn ich habe gelernt: Ein Film mit mittelmäßigem Ton wird nie richtig gut – egal wie schön die Bilder sind.

Projekt im Kopf?