Vom Hackintosh zurück zu Apple-Hardware
Warum ich nach Jahren des Experimentierens doch wieder bei Apple gelandet bin
Vor neun Jahren habe ich hier im Blog stolz meinen selbstgebauten Hackintosh vorgestellt. Wassergekühlter i7, 64 GB RAM, eine Radeon RX 480 – das Ding war ein Biest. Ich war begeistert und habe am Ende des Artikels ziemlich euphorisch in die Zukunft geschaut.
Zeit für ein ehrliches Update.
Was in der Zwischenzeit passiert ist
Der Hackintosh hat tatsächlich erstaunlich gut und zuverlässig funktioniert. Nicht immer reibungslos – macOS-Updates waren jedes Mal ein kleines Abenteuer – aber insgesamt hat er geliefert, was ich brauchte: rohe Rechenleistung für 4K-Videoschnitt und die Bearbeitung riesiger Fotodateien.
Ende 2021 war dann Schluss.
Meine Grafikkarte hatte einen Defekt. Normalerweise kein Drama – Ersatz bestellen, einbauen, weiter geht’s. Normalerweise. Aber Ende 2021 war alles andere als normal. Das Crypto-Mining hatte den GPU-Markt komplett leergefegt. Eine vergleichbare Grafikkarte, die ich 2017 für rund 250 Euro gekauft hatte, kostete plötzlich das Drei- bis Vierfache – wenn man überhaupt eine bekam.
Wenn sich die Probleme stapeln
Die Grafikkarte war aber nur der letzte Tropfen. Die Probleme hatten sich schon länger aufgestaut.
Treiber waren immer ein Thema. Apple hat die Unterstützung für externe Grafikkarten zunehmend eingeschränkt und passende Treiber für Hackintosh-kompatible GPUs wurden immer seltener. Jedes macOS-Update war ein Pokerspiel: Läuft die Grafikkarte danach noch? Oder darf ich wieder einen halben Tag basteln?
Und dann der Elefant im Raum: Apple hatte 2020 angekündigt, von Intel auf eigene ARM-Prozessoren umzusteigen. Für die Hackintosh-Community war das im Grunde das Todesurteil. Die ganze Idee basiert darauf, dass Apple und „normale” PCs dieselbe Prozessor-Architektur nutzen. Mit den M-Chips war absehbar, dass Apple die Intel-Unterstützung irgendwann einstellen würde – und damit auch die Grundlage für jeden Hackintosh.
Wer grafiklastig arbeitet wie ich – Videos schneiden, große Photoshop-Dateien bearbeiten, After Effects – der kann sich keine Experimente mit der GPU leisten. Wenn ich vor einer Deadline sitze und der Rechner zickt, ist das nicht lustig. Genau davor hatte ich im alten Artikel ja sogar selbst gewarnt 😉
Die Kapitulation
Also habe ich kapituliert. Wobei „kapituliert” vielleicht das falsche Wort ist – sagen wir: Ich habe meine Prioritäten sortiert.
Aus lauter Verlegenheit habe ich mir ein MacBook Pro mit dem damals neuen M1-Chip bestellt. Ohne große Erwartungen, einfach weil ich einen funktionierenden Rechner brauchte. Und dann kam das Ding an und ich war ehrlich überrascht.
Die Leistung des M1 war – für einen Laptop-Chip – beeindruckend. Mein Videoschnitt lief flüssig, Capture One war reaktionsschnell und das Beste: kein Lüftergeräusch. Mein Hackintosh hatte trotz Noctua-Lüfter und Wasserkühlung unter Last ordentlich Krach gemacht. Das MacBook? Stille.
Was ich gelernt habe
Ja, Apple-Hardware ist teuer. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber was ich in den Jahren mit dem Hackintosh gelernt habe: Die vermeintliche Ersparnis beim Selbstbau schrumpft, wenn man die investierte Zeit ehrlich einrechnet. Das hatte ich im alten Artikel sogar schon angemerkt – ich hätte besser auf mich selbst gehört.
Was mich aber am meisten überzeugt hat, ist die Zuverlässigkeit. macOS-Updates? Ein Klick, fertig. Keine Recherche, welche Kexts ich anpassen muss. Kein Backup vor jedem Update, weil sich das System zerschießen könnte. Keine halben Tage, die ich mit Troubleshooting verbringe statt mit bezahlter Arbeit.
Dazu kommt etwas, das ich 2017 noch nicht auf dem Schirm hatte: Mobilität. In meinem Alltag als Fotograf bin ich viel unterwegs. Beim Kunden, auf Events, unterwegs zwischen Terminen. Ein Laptop, den ich einfach zuklappen und mitnehmen kann, ist in der Praxis Gold wert. Mein Hackintosh-Tower unter dem Schreibtisch konnte das nicht.
Und heute?
Mittlerweile arbeite ich mit einem MacBook Pro mit M4-Chip. Der Leistungssprung vom M1 war nochmal deutlich spürbar. Dank Thunderbolt auch auf großen Monitoren mit viel Perepherie – alles läuft flüssig, alles auf einem Laptop, den ich im Rucksack zum nächsten Shooting mitnehme.
Und dann ist da noch etwas, das die Entscheidung endgültig besiegelt hat: Meine Familien-Apps für Jugendämter haben in den letzten Jahren richtig Fahrt aufgenommen. Die Apps laufen unter anderem auf iOS – und iOS-Apps kann man nun einmal nicht unter Windows entwickeln. Dafür braucht man macOS und Xcode, daran führt kein Weg vorbei. Selbst wenn ich wollte, könnte ich also gar nicht mehr weg von Apple. Werde ich nochmal einen Hackintosh bauen? Nein. Das Kapitel ist zu. Nicht weil es keinen Spaß gemacht hätte – der Bastler in mir hat die Herausforderung durchaus genossen. Aber ich bin mittlerweile an einem Punkt, an dem mir Zuverlässigkeit wichtiger ist als Experimentierfreude. Mein Rechner muss funktionieren, wenn ich ihn brauche. Immer. Ohne Wenn und Aber.
Und ehrlich gesagt: Wenn ich den alten Artikel nochmal lese, muss ich schmunzeln. Die Begeisterung war echt, die Warnungen waren berechtigt – und am Ende habe ich genau das gemacht, wovor ich andere gewarnt habe: den Hackintosh produktiv eingesetzt und mich dann geärgert, als es nicht mehr lief 😀
Manchmal muss man eben seine eigenen Fehler machen, um zu lernen.