Echte Menschen, echte Marken
Warum authentische Fotografie in Zeiten von KI wichtiger denn je ist
Ich gebe zu: Als ich zum ersten Mal ein KI-generiertes Bild gesehen habe, das aussah wie ein echtes Foto, war ich beeindruckt. Und ja, auch ein bisschen besorgt. Wenige Klicks, kein Fotograf nötig, keine Kosten. Da fragt man sich schon, ob man gerade seinen eigenen Beruf dabei beobachtet, wie er überflüssig wird.
Aber dann habe ich genauer hingeschaut. Und mir ist etwas aufgefallen, das mich beruhigt hat – und gleichzeitig nachdenklich gemacht hat.
Wenn alle dasselbe Werkzeug benutzen
Erinnert ihr euch an die Zeit, als Stock-Fotos groß rauskamen? Jedes Unternehmen konnte plötzlich professionelle Bilder auf seine Website packen, ohne einen Fotografen zu buchen. Das Problem war nur: Irgendwann lächelten auf jeder zweiten Handwerker-Website dieselben Menschen in denselben weißen Hemden vor demselben aufgeräumten Schreibtisch.
Ich habe selbst erlebt, wie ein Kunde zu mir kam und sagte: “Ich kann’s nicht mehr sehen, dass auf meiner Website dieselben Leute lächeln wie bei meinem Konkurrenten.” Willkommen in der Welt der austauschbaren Bilder.
Mit KI-generierten Bildern passiert gerade genau dasselbe – nur eine Stufe weiter. Die Bilder sehen besser aus, keine Frage. Aber wenn jeder denselben Prompt in dieselbe Software tippt, kommt am Ende auch wieder dasselbe raus. Nur dass es diesmal nicht mal echte Menschen sind.
Was mir 20 Jahre Erfahrung gezeigt haben
Ich fotografiere jetzt seit über 20 Jahren Unternehmen. Die Technik hat sich komplett verändert – von analog zu digital, von der Dunkelkammer zu Lightroom. Aber eines ist in all den Jahren gleich geblieben: Menschen erkennen echte Bilder.
Das klingt vielleicht esoterisch, aber jeder von euch kennt das Gefühl. Ihr scrollt über eine Website und irgendetwas fühlt sich “falsch” an. Ihr könnt es nicht benennen, aber euer Bauchgefühl sagt euch, dass die lächelnde Dame an der Rezeption dort noch nie gesessen hat. Unser Gehirn ist erstaunlich gut darin, solche Unstimmigkeiten zu erkennen – auch wenn wir den Unterschied nicht bewusst benennen können.
Das ist übrigens auch der Grund, warum Coca-Cola mit ihrem KI-generierten Weihnachtsspot so auf die Nase gefallen ist. Der sah technisch einwandfrei aus, aber das Publikum fand ihn – Zitat – “seelenlos”. Tja.
Was KI eben nicht kann
Vor ein paar Wochen war ich bei einem Schreiner in Monheim. Der Mann arbeitet seit 40 Jahren mit Holz und seine Hände sehen auch so aus. Jede Narbe, jede Schramme erzählt eine Geschichte. Als ich ihn fotografiert habe – wie er konzentriert ein Werkstück prüft, den Kopf leicht schief gelegt – da entstand ein Bild, das kein Algorithmus der Welt hätte generieren können.
Nicht weil die Technik nicht so weit wäre. Sondern weil dieser Moment echt war. Weil dieser Mann echt ist. Weil die 40 Jahre in seinem Gesicht stehen.
Kein Computer kann einfangen, wie eure Beraterin aufmerksam zuhört. Wie das Team bei der Mittagspause zusammensitzt und lacht. Wie der neue Azubi unsicher, aber stolz vor seinem ersten eigenen Werkstück steht. Das sind die Momente, die ein Unternehmen ausmachen – und die muss man einfangen, nicht erfinden.
Warum das gerade für uns hier wichtig ist
Für Unternehmen in der Region – in Monheim, Langenfeld, Düsseldorf – ist das Thema nochmal wichtiger. Der Vorteil von lokalen Unternehmen ist doch gerade: Hier arbeiten echte Menschen, die man kennt. Die man auf der Straße trifft. Deren Kinder im selben Verein sind. Wenn ein Monheimer Bäcker dann dieselben generischen KI-Bilder auf seiner Website hat wie eine Großbäckerei aus München – warum sollte ich dann nicht einfach online bestellen?
Ich habe für die Lokalhelden-Kampagne über 150 Unternehmen aus Monheim fotografiert. Vom Friseur bis zum IT-Dienstleister, vom Restaurant bis zur KFZ-Werkstatt. Bei jedem einzelnen Shooting war es dasselbe: Die Leute waren anfangs nervös, dann haben sie sich entspannt und am Ende kamen Bilder raus, die wirklich zeigen, wer sie sind und was sie machen. Das kann man nicht faken.
Die Sache mit der EU
Kurzer Einschub, weil ich es spannend finde: Die EU plant eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte. Wer also heute KI-Bilder auf seine Website packt, muss die morgen möglicherweise als solche kennzeichnen. “Dieses Bild wurde von einem Computer erstellt” unter dem Teamfoto macht jetzt nicht unbedingt den besten Eindruck 😉
Wer heute auf echte Fotos setzt, muss sich um sowas keine Gedanken machen.
Was ich euch rate
Nach über 400 Shootings sage ich meinen Kunden immer dasselbe: Zeigt, wer ihr wirklich seid. Das muss nicht perfekt sein. Das darf auch mal eine Macke haben. Authentisch schlägt perfekt – jedes Mal.
Lasst eure echten Mitarbeiter fotografieren, nicht irgendwelche Models. Zeigt eure echten Räume, auch wenn der Schreibtisch nicht aufgeräumt ist. Zeigt eure echte Arbeit – den Handwerker mit den Holzspänen auf der Schulter, die Beraterin mit dem Post-it-Chaos am Bildschirm. Genau das macht euch interessant. Und genau das können weder Stock-Fotos noch KI liefern: Eure Geschichte.
Denn am Ende ist es wie beim Fotografieren von Menschen: Es kommt nicht auf die Technik an, sondern darauf, dass sich die Menschen vor der Kamera wohlfühlen. Und dafür braucht es nun mal einen echten Menschen hinter der Kamera 😀
Falls ihr Fragen habt oder mal unverbindlich über euer nächstes Projekt reden wollt – meldet euch einfach. Ich freu mich drauf.
Weiterführende Quellen
Wer sich tiefer in das Thema einlesen möchte – hier sind einige Studien und Artikel, die meine Beobachtungen aus der Praxis untermauern:
- Getty Images Report – Fast 90% der Verbraucher möchten wissen, ob ein Bild mit KI erstellt wurde
- Nürnberg Institut für Marktentscheidungen – Warum Menschen KI-Bildern weniger vertrauen, selbst wenn sie technisch perfekt sind
- CXL: Stock Photography vs. Real Photos – Eye-Tracking-Studien zeigen, dass echte Fotos deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen
- Business.com: Why Stock Photography Is Ineffective – Beliebte Stock-Fotos erscheinen auf hunderten Websites gleichzeitig
- Berkeley CMR: Authenticity in the Age of AI – Coca-Colas KI-Weihnachtsspot und die Reaktion des Publikums
- Journal of Interactive Advertising – Wie KI-Kennzeichnungspflichten das Vertrauen in Werbung beeinflussen